Die Affeninsel zieht um

June 20, 2009 – 1:39 am

Der Bloghoster Baywords verspricht zwar unzensiertes Bloggen, solange nicht gegen schwedisches Recht verstoßen wird. Leider haben die Macher zur Zeit wichtigere Probleme, aber ich habe einfach keine Zeit mehr, darauf zu warten, dass die mit der Möglichkeit, Fotos oder Videos direkt einzubinden, rüberkommen. Daher habe ich bei Wordpress ein neues Blog eröffnet, und hoffe, dass trotz des Serverstandorts USA deren Verfassungszusätze zur freien Meinungsäußerung greifen. Um diese Verfassungszusätze beneide ich die Amerikaner übrigens sehr. Bei uns gibts ja so allerlei, weswegen die freie Meinungsäußerung beschränkt ist. Nun denn, die neue Adresse für meinen politischen Kram ist

wontbackdown.wordpress.com. See you there.

Denn sie wissen nicht, was sie tun…

June 11, 2009 – 4:33 pm

Als Antwort auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion an die Bundesregierung:

Frage: In welchen Ländern steht Kinderpornographie bislang nicht unter Strafe?

Antwort: Dazu liegen der Bundesregierung keine gesicherten Kenntnisse im Sinne rechtsvergleichender Studien vor. [...]

Frage: Wie viele Server [...] stehen in Ländern, in denen Kinderpornographie nicht unter Strafe steht?

Antwort: [...] [Die Bundesregierung] hat keine Informationen über Serverstandorte in solchen Ländern.[...]

Frage: Über welche wissenschaftlichen Erkenntnisse verfügt die Bundesregierung im Zusammenhang mit der Verbreitung von Kinderpornographie [...]

Antwort: Die Bundesregierung verfügt über keine eigenen wissenschaftlichen Erkenntnisse. [...]

Frage: In welchem Umfang plant die Bundesregierung die vergabe einer wissenschaftlichen Studie über das Ausmaß und die Wege der Verbreitung von Kinderpornographie im Internet und Wege zur Effektiven Bekämpfung solcher Inhalte?

Antwort: Die Bundesregierung plant derzeit nicht die Vergabe einer wissenschaftlichen Studie. [...]

Frage: Welche Sperrlisten anderer Länder hat die Bundesregierung untersucht?

Antwort: Die Bundesregierung hat keine Sperrlisten untersucht. [...]

Frage: Auf welche Datengrundage stützt sich die Bundesregierung bei der Einschätzung des kommerziellen Marktes für Kinderpornographie in Deutschland?

Antwort: die Bundesregierung verfügt über keine detaillierte Einschätzung des kommerziellen Marktes für Kinderporngraphie in Deutschland. [...]

Frage: Wie Hoch schätzt die Bundesregierung die Gefahr ein, dass Anbieter und Interessenten von Kinderpornographie die Sperren für sich ausnutzen, um zu ermitteln, ob sie sich bereits im Fokus von Ermittlungen befinden? [...]

Antwort: Die Bundesregierung sieht hierin keine Gefahr. [...] [Anmerkung: sprich: technischer Sachverstand: Null.]

(via netzpolitik.org)

Auf gut Deutsch: Sie haben keine Ahnung, keinen Plan und keinen Sachverstand, wollen aber massiv die Bürgerrechte einschränken. Ich habe ja mal in der Schule gelernt, dass zumindest die SPD kurz nach ihrer Gründung im Kaiserreich ja auch für die Einrichtung dieser Rechte gekämpft hat, die sie uns jetzt wieder wegnehmen wollen. Aber dass die Sozialdemokratie nur noch eine Perversion des eigenen Namens ist, ist ja auch nix neues.

Hausaufgaben verbieten

June 5, 2009 – 6:57 pm

Die deutschen Innenminister fordern ein schnelles Verbot von Hausaufgaben. Auf ihrer Frühjahrstagung waren sie sich einig, dass Hausaufgaben Jugendliche frustrieren. “Frust ist ein wesentlicher Grund dafür, dass junge Menschen Amok laufen”, erklärten die Politiker. “Fast alle Amokläufer haben sich mit Hausaufgaben beschäftigt, bevor sie sich zu ihren gefährlichen Aktionen hinreißen ließen.”

Hausaufgaben sollen möglichst noch vor der Bundestagswahl verboten werden. Wegen der Gefahr, dass emsige Schüler sich von indischen Nachhilfelehrern Hausaufgaben übers Internet aufgeben lassen, erwägen die Innnenminister die Einführung des sogenannten Internetpasses. Dieser muss vorgezeigt werden, wenn Domains im Ausland aufgerufen werden.

Mit anderen möglichen Anreizen für Amokläufe werden sich die Innenminister aus Zeitgründen erst in der Zukunft beschäftigen können. Über privaten Waffenbesitz wird nach dem jetzigen Terminplan auf der Herbstkonferenz im Jahre 2022 beraten.

(Udo Vetter im Lawblog als Antwort auf die Rufe der Innenminister, Computerspiele zu verbieten)

Die Grünen haben alles mitbeschlossen

June 5, 2009 – 5:34 pm

Twitpic

Deswegen: Piratenpartei wählen!

Warum Piratenpartei wählen?

June 2, 2009 – 7:17 pm

“Freiheit schützt man nicht dadurch, dass man sie abschafft.”

Ich werde desöfteren gefragt, warum man eigentlich diese Piratenpartei, deren Mitglied ich seit Frau Zensursulas Ausbrüchen bin, wählen soll. Daher hier noch einmal die Ziele der Piratenpartei europaweit:

Informationelle Selbstbestimmung

Das Recht des Einzelnen, die Nutzung seiner persönlichen Daten zu kontrollieren, muss gestärkt werden. Dazu müssen insbesondere die Datenschutzbeauftragten völlig unabhän gig agieren können. Neue Methoden wie das Scoring machen es erforderlich, nicht nur die persönlichen Daten kontrollieren zu können, sondern auch die Nutzung aller Daten, die zu einem Urteil über eine Person herange zogen werden können. Jeder Bürger muss gegenüber den Betreibern zentraler Daten banken einen durchsetzbaren und wirklich unentgeltlichen Anspruch auf Selbstaus kunft und gegebenenfalls auf Korrektur, Sperrung oder Löschung der Daten haben.

Patentrecht

Wir lehnen Patente auf Lebewesen und Gene, auf Geschäftsideen und auch auf Software einhellig ab, weil sie unzumutbare und unver antwortliche Konsequenzen haben, weil sie die Entwicklung der Wissensgesellschaft be hindern, weil sie gemeine Güter ohne Gegen leistung und ohne Not privatisieren und weil sie kein Erfindungspotential im ursprünglichen Sinne besitzen. Die gute Entwicklung klein- und mittelständischer IT-Unternehmen in ganz Europa hat beispielsweise gezeigt, dass auf dem Softwaresektor Patente vollkommen un nötig sind.

Urheberrecht

Der uralte Traum, alles Wissen und alle Kultur der Menschheit zusammenzutragen, zu speichern und heute und in der Zukunft verfügbar zu machen, ist durch die rasante technische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte in greifbare Nähe gerückt. Wie jede bahnbrechende Neuerung erfasst diese vielfältige Lebensbereiche und führt zu tief greifenden Veränderungen. Es ist unser Ziel, die Chancen dieser Situation zu nutzen und vor möglichen Gefahren zu warnen. Die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bereich des Urheberrechts beschränken jedoch das Potential der aktuellen Entwicklung, da sie auf einem veralteten Verständnis von so genanntem “geistigem Eigentum” basieren, welches der angestrebten Wissens- oder Informationsgesellschaft entgegen steht. Deshalb tritt die Piratenpartei für eine Legalisierung der Privatkopie ein, auch weil es technisch gar nicht möglich ist, Privatkopien zu unterbinden. Dabei geht es ihr aber nicht darum, das Urheberrecht vollständig abzuschaffen.

Transparenz

Die Abkehr vom “Prinzip der Geheimhaltung”, der Verwaltungs- und Politikvorstellung eines überkommenen Staatsbegriffs und die Beto nung des “Prinzips der Öffentlichkeit”, das einen mündigen Bürger in den Mittelpunkt staatlichen Handelns und Gestaltens stellt, schafft nach der festen Überzeugung der Pira tenpartei die unabdingbaren Voraussetzun gen für eine moderne Wissensgesellschaft in einer freiheitlichen und demokratischen Ordnung.

Open Access

Aus dem Staatshaushalt wird eine Vielzahl schöpferischer Tätigkeiten finanziert, die als Produkt urheberrechtlich geschützte Werke hervorbringen. Da diese Werke von der All gemeinheit finanziert werden, sollten sie auch der Allgemeinheit kostenlos zur Verfü gung stehen. Tatsächlich ist dies heute sel ten der Fall. So können auch Wissenschaftler mit geringem Budget an der wissenschaftlichen Entwicklung teilhaben. Wissenschaftliche Artikel, die anderen Wissenschaftlern nicht zugänglich sind, können von diesen auch nicht auf Fehler überprüft werden.

(Quelle – Homepage der Piratenpartei)

Im Zensieren sind sie schnell…

May 13, 2009 – 1:24 am

Zumindest bei Satire. Ihr erinnert Euch vielleicht, ich hatte das auch gebloggt. Nun, der Betreiber dieser Satireseite wurde mal schnell ordentlich rangenommen: Das Bundesinnenministerium hat seinen Provider angewiesen, die Domain zu kündigen, wegen missbräuchlicher Benutzung des BMI-Logos. Ja, genau. Angewiesen zu kündigen. Kein, machen sie das mal weg. Sie verletzen unser Urheberrecht. Nichtmal die Plage Abmahnung haben sie rausgeholt. Einfach plattmachen. Nach Verhandlungen mit dem Provider darf der Besitzer die Domain jetzt behalten, wenn er die Inhalte vom Netz nimmt. Wohl weil der Provider auch nicht ganz dämlich ist. Wenn der Domaininhaber nämlich geklagt hätte, hätten die Gerichte den Provider wohl in der Luft zerrissen, und das Innenministerium wäre fein raus gewesen. Hier ist übrigens der Screenshot dazu.
Feines Bundessicherheitshauptamt haben wir da.

Das Grundgesetz – Schäubles Arbeitsexemplar

May 12, 2009 – 2:16 am

Grundgesetz Schäubles Arbeitsexemplar (via)

Wahlkampf auf der Affeninsel

May 11, 2009 – 8:12 pm

Wahlkampfplakat Zensursula

Die hat das ohne Scheiß echt so gesagt. (Quelle und mehr.)

Schöner Kommentar im Tagesspiegel

May 10, 2009 – 2:41 pm

Es heißt ja immer, Blogger würden nur von Journalisten abschreiben. Das mag manchmal auch zutreffen, z.B. im vorliegenden Post. Andererseits fungieren Blogger dann auch als Multiplikatoren der Journaille, und das sollten diese im Hinterkopf behalten. Wenn es den Presseautoren nur um den Verkauf ihrer Blätter geht, dann regen diese sich natürlich auf. Aber ernsthaften Journalisten sollte es um die Weitergabe ihrer Geschichte gehen, und diese sollten sich dann auch freuen. Aber nun genug Meta, hier ein schöner Kommentar aus dem Tagesspiegel:

Peng, du bist tot!
Es ist lächerlich, als Konsequenz aus Winnenden ein nur für Erwachsene erlaubtes Spiel wie Paintball zu verbieten – aber auch bedrohlich. Der Staat betritt mit Gewalt eine Welt, in der er nichts zu suchen hat.

Schnell und entschlossen, behauptet die Bundesregierung, reagiere sie auf gesellschaftliche Probleme. Doch das, was sie tut, ist gefährliche Gaukelei. Mit großer Geste verkündet die Politik staatliche Eingriffe zur Verhinderung von Kinderpornografie und Amokläufen. Tatsächlich aber suggeriert sie die Sicherheit nur. Es ist bemerkenswert, dass auch die Opfer von Pädophilie und Schützenwahn gegen die Politik protestieren. Internetsperren und Verbote von Ballerspielen sind nutzlos in ihrem behaupteten Sinn. Aber sie können einen Schaden anrichten, der kaum zu reparieren ist: Die große Koalition ebnet heimlicher Zensur und staatlicher Bevormundung des Privatlebens den Weg, und sie missbraucht dazu die Abscheu gegenüber schockierenden Verbrechen.

Eine Internetsperre wirkt nicht gegen das Verbrechen an sich, sondern ist nur ein Vorhang. Wie man dennoch dahinterschaut, zeigen Videos im Netz; das dauert keine dreißig Sekunden. Abgewehrt werden Zufallssurfer, Hardcore-Pädophile finden einen Umweg zum Ziel.

Die Risiken und Nebenwirkungen sind indes beängstigend. Das Bundeskriminalamt, so die Idee, führt eine Liste inkriminierter Seiten, die von Providern zu sperren sind. Da eine solche Liste ein Katalog kinderpornografischer Angebote mit Adresse ist, muss sie geheim bleiben. So erfährt die Öffentlichkeit aber auch nicht, was aus dem Datenverkehr gezogen wird – und ob es zu Recht geschieht. Eine ungeheure Aussicht: staatliche Behörden, die unkontrolliert zensieren. Was für eine Versuchung, auch andere Seiten zu blockieren, ob aus polizeilichen, politischen, moralischen oder sonstigen nicht gesetzlichen Gründen. Die Server, auf denen die Bilder missbrauchter Kinder liegen, bleiben unangetastet.

Ebenso grotesk wirkt das neue Waffengesetz; ein Winnenden kann es nicht verhindern. Erfolgreich verteidigt die Scharfschützenlobby ihre zehn Millionen Pistolen und Gewehre in Privatbesitz. Sie sollen künftig mit PIN-Nummern gesichert werden, na und? Die Politik sagt, die breite Mehrheit der Jäger und Sportschützen sei absolut rechtstreu. Na dann.

Sich gegenseitig mit Farbkugeln zu beschießen, Paintball genannt, soll indes verboten werden. Die Politik hält das für menschenverachtend und eine Animation künftiger Amokläufer. Mit dieser Logik ist auch das Tragen von Spielzeugpistolen zum Cowboykostüm zu verbieten. Aber was macht man mit Kindern, die ihre Zeigefinger aufeinander richten und rufen: Peng, du bist tot? Gehört nicht auch Fechten dazu, Biathlon, Boxen? Simuliert Schach nicht vernichtende Schlachten? Lässt sich die Gier der Banker durch ein Verbot von Monopoly stoppen?

Es ist lächerlich, als Konsequenz aus Winnenden ein nur für Erwachsene erlaubtes Spiel zu verbieten – aber auch bedrohlich. Der Staat betritt mit Gewalt eine Welt, in der er nichts zu suchen hat. Paintball wird auf privatem Gelände gespielt. Man mag es blöd oder abstoßend finden, aber wer nicht will, wird davon nicht belästigt. In folgerichtiger Konsequenz kann diese Regierung auch Paaren erklären, welche sexuellen Verhaltensweisen in ihrem Schlafzimmer in Ordnung sind und welche menschenverachtend oder sittenwidrig und deshalb verboten. Unter dieser Regierung wird der Staat zur Moralinstanz – er maßt sich an, darüber zu richten, was gut ist und schlecht. Damit aber löst der Staat kein Problem. Er wird selber zu einem.

Vertrauen in den Staat am Boden

May 7, 2009 – 7:24 pm