Regensburger Polizeiübergriffe
November 17, 2008 – 6:46 pmEs ist ja nicht so, dass polizeiliche Übergriffe nur in Hamburg, Berlin, Heiligendamm oder Moskau passieren. Nein, auch in unserem eigenen Hinterhof gibt es übereifrige Beamte, die sprichwörtlich erstmal schießen und dann Fragen stellen.
Rund 100 Polizisten, zwei Hundeführer, zwei Staatsanwälte und ein Vertreter der Stadt Regensburg waren am Dienstagmorgen bei einer Drogenrazzia im „Clean“, einer therapeutischen Einrichtung für ehemalige Drogenabhängige in der Puricellistraße vor Ort. Gestern erhoben die Patienten und Betreiber des „Clean“ schwere Vorwürfe: „Wir wurden unmenschlich behandelt.“
„Wir wurden unmenschlich behandelt. Ein Patient wurde in wenig bekleidetem Zustand durch den ganzen Gang geschliffen, ein anderer mit Handschellen und Kabelbindern fixiert“, heißt es in dem Schreiben. Die Frau eines Patienten, die bei ihrem Mann übernachtet hatte, klagt zudem an, dass sie von Polizeibeamten als „Hure“ bezeichnet worden wäre. Wadim Panow, der Sohn des Betreibers der Einrichtung und während der Razzia im Haus, erzählte der MZ, dass „von den Polizisten willkürlich Türen eingetreten wurden, obwohl ich danebenstand und sagte, dass ich Schlüssel hätte. Zudem hat keiner der Beamten mir erklärt, warum oder wieso die Aktion durchgeführt wird.“
„Wenn das zuträfe, dann wäre das natürlich nicht in Ordnung“, sagte Leitender Oberstaatsanwalt Johann Ruckdäschel und sicherte zu, diesen Fall überprüfen zu wollen. Auch liege ihm ein Schreiben der Patienten vor, in dem sie sich über die „unmenschliche Behandlung“ vonseiten der Polizei beschweren.
„Dennoch werde ich dies als ,anonyme Dienstaufsichtsbeschwerde’ behandeln und überprüfen, ob bei dem Einsatz alles ordnungsgemäß abgelaufen ist.“
Hooray für die bayrische Polizei. Das kommt davon, wenn man Mittel für die Personalausstattung, Ausbildung und Dienstaufsicht kürzt. Und dann wollen sie mit Onlinedurchsuchung und audiovisueller Wohnraumüberwachung das Sicherheitsniveau halten können. Was in der Realität dabei rauskommt, sehen wir hier. Wobei man sagen darf, dass 100 Beamte für 20 Patienten schon ein krasses Missverhältnis ist. Da ist wohl soviel schiefgelaufen, dass mit mehr Mittel für Ausbildung und Dienstaufsicht auch nichts besser geworden wäre. Das sieht stark nach Rambosyndrom des zuständigen Polizeiheinis aus.